Quäker-Hochzeiten

We are but witnesses

„Die wahre Eheschließung ist das Werk des Herrn allein und nicht das der Kirchen- oder Staatsvertreter, denn sie ist die Fügung Gottes und nicht die des Menschen […] Denn wir verheiraten niemanden; es ist das Werk des Herrn und wir sind lediglich Zeugen.“ (George Fox, 1669; modernisierte Übersetzung)

Quäkerhochzeiten, also Hochzeiten in der Gemeinschaft der Quäker, basieren auf der zentralen Einsicht, dass nicht ein Mensch andere Menschen verheiraten kann, sondern die Verbindung zweier Menschen der Spiegel von und Ergebnis des Wirkens einer größeren Kraft ist. Wir können dieses Wirken im Leben des Paares nur bezeugen und feiern und es darin unterstützen, eine gute Beziehung zu leben.

„For the right joining in marriage is the work of the Lord only, and not the priests’ or magistrates’; for it is God’s ordinance and not man’s; and therefore Friends cannot consent that they should join them together: for we marry none; it is the Lord’s work, and we are but witnesses.“ George Fox, 1669

Quäkerhochzeiten unterscheiden sich daher von anderen Formen der Hochzeit in mehrerer Hinsicht. Insbesondere gibt es eben nicht eine einzelne Person, die die Trauung durchführt (also einen Standesbeamten oder Priester, der „kraft seines ihm verliehenen Amtes“ handelt), und auch nicht einzelne hervorgehobene Trauzeugen. Stattdessen sind alle Anwesenden Zeugen, vor denen und damit vor Gott die Brautleute sich einander als Partner, Eheleute und Freunde annehmen und (sich ver-)heiraten.

Ablauf einer Quäkerhochzeit

Der Ablauf einer Quäkerhochzeit ähnelt dem einer Andacht – es ist eine Andacht anlässlich des Eheversprechens, das sich das Paar in dieser Andacht macht. Da sich unter den Teilnehmern meist auch Menschen befinden, für die es die erste Andacht oder zumindest die erste Quäkerhochzeit ist, erklärt häufig zu Beginn der Andacht eine von der Quäkergruppe bzw. dem Paar beauftragte Person den Hintergrund und Ablauf.

Alle Teilnehmenden einschließlich des Paares sitzen in andächtiger Stille. Aus dieser Stille heraus spricht das Paar sein Eheversprechen. Das gegenseitige Versprechen lautet im Englischen meist

„In the presence of God and these our friends I take thee, [Name], to be my husband/wife, promising with Divine assistance to be unto thee a loving and faithful wife/husband so long as we both shall live“ – „Freunde, ich nehme diese Freundin/diesen Freunde [Name] zu meiner Ehefrau/meinem Ehemann. Ich verspreche, mit Gottes Hilfe, ihr/ihm ein liebender und treuer Ehemann/eine liebende und treue Ehefrau zu sein, solange wir beide auf Erden leben.“

Im Deutschen gibt es auch andere Formulierungen. Mit diesem Versprechen heiratet das Paar.

Dann geht die Versammlung wieder in die Stille, und aus der Stille heraus sind dann alle Anwesenden eingeladen, aufzustehen und eine Botschaft mit der Versammlung zu teilen, sofern sie sich in der Situation dazu gerufen fühlen. Geteilt werden können beispielsweise Gedanken, Erinnerungen, Wünsche oder Gebete über bzw. für das Paar. Dieser Teil einer Quäkerhochzeit kann sehr bewegend, humorvoll und persönlich sein. Grundsätzlich gilt dabei, dass niemand mit dem festen Plan zu einer Quäkerhochzeit kommen sollte, etwas (Bestimmtes) zu sagen oder der Absicht, nichts zu sagen. Stattdessen sollte jeder und jede offen und aktiv den anderen Anwesenden, dem Göttlichem und dem eigenen Herzen lauschen und sich überraschen lassen. Zwischen den einzelnen Wortbeiträgen gibt es immer wieder Momente der Stille, der Reflektion, der leisen Freude.

Nach etwa einer Stunde verliest und unterzeichnet das Paar die Heiratsurkunde, die die Daten der Hochzeit und das Eheversprechen enthält. Danach unterzeichnen alle Anwesenden und bezeugen damit das Eheversprechen und die „wahre Eheschließung“, die in den Worten George Fox‘ „das Werk des Herrn allein“ ist. Die (häufig entsprechend große) Urkunde erinnert das Paar nicht nur an ihr Versprechen, sondern auch an Freundinnen und Freunde, Familie und Quäkergemeinschaft, die ihre Ehe unterstützen sowie Beistand und Ermutigung leisten können, „in guten wie in schlechten Tagen“.

Rahmen und Status einer Quäkerhochzeit

Wie im Anschluss an eine solche Quäkerhochzeits-Andacht weitergefeiert wird, hängt natürlich vom jeweiligen Paar, seinen Vorlieben und Wünschen ab. Viele Quäkerpaare fühlen sich aber auch an ihrem Hochzeitstag besonders den Zeugnissen der Gemeinschaft und der Einfachheit verpflichtet und gestalten den Tag entsprechend, z.B. mit einem Mitbring-Buffet und gemeinsamen Aktionen statt Festreden und Kleiderordnung. Da diese Zeugnisse aber kein Selbstzweck sind, können Quäkerhochzeiten so unterschiedlich sein wie Quäkerinnen und Quäker es sind. Quäkerhochzeiten sind auch eine Feier dieser Vielfalt.

Kern einer Quäkerhochzeit ist die Andacht, in der das Brautpaar seine Absicht, ein gutes, gemeinsames Leben zu führen, vor die Gemeinschaft und vor Gott trägt und darin getragen wird. Dieser Prozess beginnt schon vor der eigentlichen Hochzeit damit, dass das Paar sich in der Quäkergemeinschaft vorbereitet. In Andachten, Gesprächen und in „Klärungsausschüssen“ (Clearness Committees) können das Paar und die Gemeinschaft den eingeschlagenen Weg überprüfen, die Natur der Ehe und die jeweiligen Erwartungen und Bedürfnisse erforschen. Das Paar kann sich durch diese Unterstützung auf einer tieferen Ebene kennenlernen und praktische, spirituelle und emotionale Aspekte ihres Vorhabens, der Verpflichtung voreinander und gegenüber der Quäkergemeinschaft prüfen.

In Großbritannien und Teilen der USA sind Quäkerhochzeiten heute übrigens rechtlich anerkannt: Wer durch die Verfahren einer Andachtsgruppe oder eines Bezirkes gegangen ist, seine Pläne geprüft und die Unterstützung der Gemeinschaft in der Quäkerhochzeit erhalten hat, benötigt keine weitere standesamtliche Trauung. In Deutschland und Österreich ist sie ebenso wie jede andere kirchliche Trauung ohne rechtliche Konsequenzen.