Internationales Forschungsprojekt zu den Ursprüngen des Quäkertums

Edward Dommen von der Schweizer Jahresversammlung sucht Unterstützung bei einem Forschungsprojekt. Weitere Informationen findest Du im Folgenden. Wenn Du Interesse hast oder jemanden weißt, der dafür geeignet wäre, melde Dich bitte bei:

Nach gängiger Auffassung ist das Quäkertum eine britische Erfindung, die sich durch Auswanderung in den britischen Kolonien Nordamerikas und durch britische Missionar*innen im Rest von Europa ausbreitete. Das stimmt so jedoch nicht.

Projektvorschlag

Mein Vorschlag ist, ein internationales Forschungsprojekt zu den Ursprüngen des europäischen Quäkertums ins Leben zu rufen, dessen Ergebnisse dann veröffentlicht werden. Für die Teilnahme eignen sich wohl vorzugsweise Historiker*innen. Angesichts der derzeitigen Situation werden die Treffen wahrscheinlich online stattfinden.

Ich bin selbst nicht in der Lage, die Organisation dieses Projekts oder der Publikation zu übernehmen. Ich möchte aber gerne daran teilnehmen und schlage gerne weitere geeignete Teilnehmer*innen vor. Auf meiner Liste stehen hauptsächlich französischsprachige Menschen. Es fehlen bisher Erkenntnisse zu Deutschland, den Niederlanden oder weiteren europäischen Ländern.

Als passender Träger für dieses Projekt fällt mir spontan Woodbroke ein. Alternativ könnte es auch im Quäkerzentrum in Congénies angesiedelt werden, allerdings sind dort nicht die entsprechenden Ressourcen für die Arbeit vorhanden. Auch eine Finanzierung müsste auf die Beine gestellt werden.

Hintergrund

Mitte des 17. Jahrhunderts fand sich in ganz Europa als Ausläufer der Reformation eine bunte und sehr lebendige Mischung aus den verschiedensten religiösen Bewegungen. Die Übergänge waren fließend und Menschen wechselten von der einen zur anderen Gruppierung. Bezeichnungen wie „inspiriert“, „erleuchtet“, „Prophet“, „Fanatiker“, „Enthusiast“ und auch „Quäker“ wurden synonym verwendet und waren nicht einzelnen Glaubensrichtungen vorbehalten.

In Frankreich gab es seit dem Edikt von Fontainebleau (1685) und dem Partisanenkrieg der Karmisaden (1702-1704) in diesen Bewegungen auch solche Elemente, die dem Quäkertum ähnliche Werte und Praktiken aufwiesen. Als diese Bewegungen 1788 das erste Mal nach dem Toleranzedikt offiziell zusammenkamen, handelte es sich um eine Versammlung Gleichgesinnter. Man kann den Eindruck gewinnen, dass William Ames und einige Quäker*innen 1657 in Deutschland sowie George Fox, William Penn u.a. zwanzig Jahre später im Rheinland ebenfalls Gleichgesinnte trafen. Das Quäkertum auf dem Kontinent war also kein Ableger, der von britischen Missionar*innen gepflanzt wurde.

Damals fand ein reger internationaler Austausch unter (Handels)reisenden statt, darunter auch Missionare, Migrant*innen und viele Flüchtlinge, da z.T. harte Verfolgungen an der Tagesordnung waren. Im 17. Jahrhundert wurden Randgruppen aufgrund staatlicher, katholischen oder anderer kirchlicher Unterdrückung und Verfolgung in den Untergrund gedrängt. Dies verhinderte eine formelle Organisation bzw. beraubte die Gruppen in manchen Fällen ihres Klerus. Unter diesen Umständen wuch das Quäkertum an mehreren Orten zugleich heran.