Epistel der 92. Jahresversammlung 2022

Epistel der Deutschen Jahresversammlung der Religiösen Gesellschaft der Freund*innen 2022

Endlich, nach drei Jahren hybrider oder reiner Online-Treffen, konnten wir einander wieder in Präsenz begegnen: 135 Freund*innen, darunter 22 Kinder und Jugendliche sowie Delegierte aus Frankreich, Großbritannien und Irland und Gäste aus Georgien, Polen, der Russischen Föderation, der Schweiz, Tschechien und den USA versammelten sich vom 13.10. – 16.10.2022 auf dem Venusberg in Bonn.

Zur Einstimmung wurden wir überrascht durch eine inspirierte, inspirierende Auswahl von fünf Zitaten aus fünf Episteln anderer Jahresversammlungen, anhand derer wir zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Austausch und zum Nachdenken aufgefordert wurden.
Über die Frage aus der Epistel des Nordic Yearly Meeting „Nehme ich wahr, was zu tun ich gerufen wurde?“, gelang die Verbindung von der Welt zum Thema unserer eigenen Jahresversammlung: „Wozu der Geist uns heute treibt in dieser Welt.“

Im darauffolgenden Gespräch aus der Stille und auch in der Andacht am nächsten Tag wurden die aktuellen gesellschaftlichen Vorgänge und die daraus resultierende Polarisierung der Meinungen deutlich spürbar: Über die Klimakatastrophe und den Umgang damit, über die Pandemie und die Maßnahmen dagegen, über den Krieg in der Ukraine und die Handlungen, die daraus zu folgen haben, sowie immer wieder auch über Genderfragen. Die Frage, was das Friedenszeugnis für Quäker*innen heutzutage bedeutet, brennt weiterhin in uns.

Denise Vosseler von der Schweizer Jahresversammlung erinnerte uns mit ihrer Richard-Cary-Vorlesung über das Innere Licht als Sehnsucht und damit als Bewegerin für einen spirituellen Weg, dass wir nur mit spiritueller Nahrung durch diese schwierigen Zeiten kommen, und verwies uns damit an unsere gemeinsame Quelle. In Gesprächen teilten wir die Vielfalt dessen, was uns berührt (hatte).

In der Mitgliederversammlung konnten wir endlich konkrete Umbaumaßnahmen an unserem Quäkerhaus in Bad Pyrmont beschließen, welche frischen Wind und Licht ins Dunkel der Räume tragen werden. Dies ist der Beginn eines neuen Weges, das Quäkerhaus immer wieder zu unserem Haus zu machen und es mit Leben zu erfüllen. Der Charakter des geschichtsträchtigen Meeting-Hauses bleibt dabei bestehen. Es ist diesbezüglich ein Spendenaufruf geplant

Während die gesicherte Zukunft des Quäkerhauses uns mit Freude erfüllt, entsetzt uns die immer stärker werdende, spürbare Bedrohung allen Lebens auf der Erde. Die Deutsche Jahresversammlung begrüßt und unterstützt deshalb die Gründung eines Netzwerks von Quäker*innen für Frieden, Ökologie und Klimagerechtigkeit – „Earthcare Witness“. Die Freund*innen werden ermutigt, sich darin zu engagieren.

Außerdem möchten wir ein Netzwerk Friedensarbeit / Friedensforum auf den Weg bringen. Dieses soll dem großen Engagement der Freund*innen dienen und die Koordination erleichtern. Ein besonderes Anliegen ist für uns der Appell an die Regierungen der Russischen Föderation, von Belarus und der Ukraine, das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung zu achten.

Inmitten der existentiellen Herausforderungen, vor die wir gestellt sind, treibt uns der Geist, auf unser Herz zu hören, wenn es uns zum liebevollen und wahrhaftigen Handeln drängt.

Bonn, am 16.10.2022
Im Namen der Deutschen Jahresversammlung
Anne Pommier, Schreiberin und Jochen Dudeck, Schreiber