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über Quäkertum:
Zeugnisse
"Meeting the Spirit" von Hans
Weening übersetzt durch die Quäkergruppe von
Bern, Schweiz.
Das Wort Zeugnis wird von Freunden gebraucht, um eine Wahrheit im
menschlichen Herzen zu beschreiben, wie sie im Alltag ausgelebt wird.
Dabei handelt es sich nicht um blosse Worte sondern um eine Lebensweise.
Sie stützt sich auf die Erkenntnis, dass in jedem Menschen "dasjenige
von Gott" ist, dass alle Menschen vor Gott gleichwertig und alles
Lebendige untereinander verbunden ist. Quäker Zeugnisse sind positive
Aussagen, die aber unter Umständen zu Handlungen führen können, welche
gegen gesellschaftlich anerkannte Verhaltensweisen verstossen. Sie sind
Ausdruck von gemeinsamen Vorstellungen der religiösen Gesellschaft der
Freunde, auch wenn einzelne Freunde sie - entsprechend ihrem eigenen
Inneren Licht - verschieden interpretieren. Sie sind nicht wünschbare
"Extras" sondern Früchte, die am Baum des Glaubens wachsen. Zu den
grundsätzlichen Quäker Zeugnissen gehören: Wahrheit, Gleichwertigkeit,
Frieden, Einfachheit und Gemeinschaft.
| Wahrheit |
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Wahrheit ist ein komplexer Begriff. Manchmal wird
er für Gott
eingesetzt, manchmal für eine Überzeugung, die aus der Andacht
herauswächst und manchmal für eine Lebensweise. Es war der Gehorsam
gegenüber ihrem Verständnis der Wahrheit, der die frühen Freunde
dazu veranlasste, so zu handeln, dass es andere als eigenartig
oder sogar provokativ empfanden. Um die Wahrheit zu bezeugen hielten die frühen
Quäker öffentliche Andachten, wie auch immer die Strafe dafür
aussah. Als Folge ihrer Predigten kamen viele ins Gefängnis. Das Anliegen
der Wahrhaftigkeit führte sie vom ersten Tag an dazu, einen Eid zu
verweigern. Für sie bedeutete der Eid, dass es zwei Ebenen von
Wahrhaftigkeit gibt, doch sie glaubten, dass man immer die Wahrheit
sagen müsse. Weil Margaret Fell einen Loyalitätseid auf den König
verweigerte, wurde sie ins Gefängnis geworfen und verlor ihr ganzes
Vermögen.
| Gleichwertigkeit |
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Wenn Gott für alle Personen direkt zugänglich ist, und zwar unabhängig
von Alter, Geschlecht, Rasse, Nationalität, Ausbildung, ökonomischem und
gesellschaftlichem Status, wenn jede Person gleichermassen in Gottes
Liebe steht und über das gleiche Potential verfügt, Offenbarungen von
Gottes Wahrheit zu erkennen, dann gebührt allen Menschen die gleiche
Hochachtung. In jedem Menschen ist jener "Same", jenes "Licht" oder "das
von Gott". Für die Freunde bedeutete diese Einsicht von Anfang an
Gleichwertigkeit der Geschlechter und der Rassen. In ihr war für England
und die englischen Kolonien auch die Forderung enthalten, den mit
Reichtum oder Stand begründeten Privilegien ein Ende zu setzen. In Japan
und Kenia etablierten die Quäker Mädchenschulen, weil Frauen in den
bestehenden Kulturen wie ein Eigentum im Haushalt behandelt wurden. Der
Gedanke der Gleichwertigkeit war auch die Grundlage für die Verwerfung
der Sklaverei und der Todesstrafe.
| Frieden |
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Das Friedenszeugnis basiert auf dem oben genannten Verständnis des
Wesens von Gott und dem Menschen. Wie kann man ein anderes Kind Gottes
umbringen, möglicherweise ein Vermittler von Wahrheit, auch wenn es zur
Zeit irregeführt ist. Dieses Zeugnis hat dazu geführt, dass die Freunde
jeden Krieg und jede Kriegsvorbereitung ablehnen. Zur Zeit der
amerikanischen Revolution wurden vielen Freunden die Mitgliedschaft
entzogen, weil sie bei Militäraktionen mitgewirkt hatten. Später setzten
sich Freunde, die zum Militär rekrutiert werden sollten, für die
Dienstverweigerung aus Gewissensgründen ein. Heute arbeiten einige
Freunde daran, dass auch ihre Steuern nicht mehr für militärische Zwecke
eingesetzt werden.
Das Friedenszeugnis führte zu Anstrengungen, um die Leiden von
Kriegsopfern aller Seiten zu lindern. Es bedeutet auch sich dafür
einzusetzen, dass Versöhnungsbemühungen zwischen streitenden Menschen
oder Nationen stattfinden. Es beinhaltet zudem ein dauerndes Suchen nach
gewaltfreien Methoden der Konfliktlösung z.B. durch Rechtssetzung in
Form von internationalen Verträgen oder durch Organisationen wie die
Europäische Union oder die Vereinigten Nationen. Es bezweckt auch ein
dauerndes Bemühen um Frieden und soziale Gerechtigkeit mit Hilfe
gewaltloser Techniken der Mediation von Einzelpersonen oder Gruppen. Der
Quaker Council for European Affairs (QCEA) in Brüssel und die Quaker
United Nations Offices (QUNOs) in Genf und New York bringen die
Ansichten der Quäker in Machtzentren ein, in denen politische,
ökonomische und militärische Entscheidungen mit Wirkung auf die ganze
Welt gefällt werden.
| Einfachheit |
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Die Freunde sind überzeugt, dass die Welt viele Ablenkungen von der
Wahrheit anbietet, z.B. das Streben nach Reichtum, Macht oder Vergnügen,
die Übertreibungen in Sprache, Mode oder Verhalten und übermässige
Geschäftigkeit - sogar, wenn sie für eine gute Sache ist. Gewöhnlich
wird die Wahrheit im stillen und ungestörten Warten auf innere Führung
gefunden und in der demütigen Einfachheit eines Geistes, der erkennt,
dass letztlich Gott für unsere Welt die Sorge trägt und nicht wir
selber.
Das Zeugnis der Einfachheit strebt deshalb danach, unsere Aufmerksamkeit
auf das zu richten, was essentiell und ewig ist und Ablenkung durch
Vergängliches und Triviales zu vermeiden. Eine einfache und ehrliche
Sprache ist Ausdruck von Einfachheit. Respekt für Gottes Schöpfung und
daraus abgeleitet Sorge für die Umwelt sowie der richtige Gebrauch der
Ressourcen dieser Welt sind augenfällige Ausdrucksformen des Zeugnisses.
Ein Wirtschaftswachstum, welches auf Extravaganz, Verschwendung und
künstlich induzierten Bedürfnissen beruht, wird grundsätzlich als
Verletzung des Zeugnisses der Einfachheit betrachtet.
| Gemeinschaft |
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Als gleich geliebte Kinder von Gott sind alle menschlichen Wesen Brüder
und Schwestern, eine menschliche Familie, wie gross auch die
Unterschiede in Erfahrung, Kultur, Alter, und Weltanschauung sein mögen.
Die Freunde haben erfahren, dass das Licht versammelte Gruppen wie
einzelne Menschen erleuchten und zu einer Gemeinschaft in Glauben,
Gewissen und Erfahrung verbinden kann. Freunde betrachten es als ihre
Aufgabe, eine weite Gemeinschaft über unsere ganze Welt zu bilden, indem
sie gegenseitig das" göttliche Potential", den "Samen", den "inneren
Christus" und das "Innere Licht" wahrnehmen und sich darin bekräftigen.
Wir müssen lernen, miteinander umzugehen, indem wir das Beste, das wir
an einander finden, bekräftigen und unterstützen. George Fox sagte es
so: "Wir müssen auf das von Gott in jedem Menschen eintreten"
("..answering that of God in everyone"). Die Freunde glauben, dass sie
in einer solchen Gemeinschaft ihre Erfahrung, die Herrschaft, das
Erbarmen und die Liebe Gottes bezeugen.
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