|
über Quäkertum: Leben und entwicklung von kleinen Andachtsgruppen
"Meeting the Spirit" von Hans
Weening übersetzt durch die Quäkergruppe von
Bern, Schweiz.
Viele Einzelpersonen mit Interesse an den Quäkern oder Mitglieder der
Religiösen Gesellschaft der Freunde leben in Ländern oder Gegenden, wo
es keine Quäkergruppe hat. Diese isolierten Freunde haben oft Probleme,
spirituelle Anregung und Unterstützung zu erhalten und dem Quäkertum
treu zu bleiben. Deshalb finden sie es manchmal richtig, Andachten
anderer religiöser Gruppen zu besuchen.v
Viele isolierte Freunde finden es nützlich, bestimmte Zeiten mit ihrem
Tagebuch, mit dem Evangelium oder mit Schriften der Quäker zu
verbringen. Durch Korrespondenz mit anderen Freunden und
Quäkerorganisationen können sie ein Gefühl der Zugehörigkeit zur
grösseren Familie der Freunde entwickeln und unterhalten. Das FWCC
bemüht sich auch darum, mit diesen Freunden und anderen interessierten
Personen in Verbindung zu bleiben und sie in ihrer Region mit anderen
zusammenzubringen.
Wenn einmal zwei oder drei Personen oder Familien sich gefunden haben,
ist es möglich, dass sie einen Kern bilden, um den sich andere
versammeln können. Oft entwickelt sich daraus eine Andachtsgruppe mit
Freunden aus verschiedenen Ländern und mit Freunden der Freunde. Es kann
auch geschehen, dass Menschen aus verschiedenen Kirchen oder
Glaubensrichtungen dazustossen und sich in der Andacht und im Umgang mit
Freunden wohl fühlen.
Viele neue Gruppen halten ihre Andachten in Privathäusern ab. Im
Anschluss daran pflegen sie informelle Diskussionen bei Kaffee oder
einer Mahlzeit. Andachten im privaten Rahmen haben aber auch Nachteile.
Manchmal wechselt der Versammlungsort zu häufig und die private
Atmosphäre könnte Menschen vom gleichen Ort entmutigen, an den Treffen
teilzunehmen. Ein öffentlicher Versammlungsort kann leichter angekündigt
und gefunden werden. Leider können viele kleine Gruppen die Kosten dafür
nicht aufbringen. Einige stossen auch auf gesetzliche oder kulturelle
Einschränkungen.
Wenn sich einmal eine Andachtsgruppe gebildet hat, so ist fast sicher,
dass andere Menschen dazu stossen, die noch nie eine Quäkerandacht
erlebt haben. In diesem Falle ist es hilfreich, wenn zuvor einige
Erklärungen über die stille Andacht und ihren Ursprung gegeben werden.
In verschiedenen Gruppen sind kleine Karten mit gedruckten Einführungen
verfügbar. Zudem ist es nützlich zu erklären, dass Menschen mit anderen
Überzeugungen in der Andacht der Gruppe willkommen sind und nicht der
geringste Druck zur Mitgliedschaft besteht. Es ist gar nicht
ungewöhnlich, dass Leute aus anderen Konfessionen oder
Glaubensrichtungen regelmässig zur Andacht mit kleinen Gruppen stossen.
Oft haben sich kleine Andachtsgruppen ohne Kontakte mit Organisationen
der Freunde entwickelt. Aber auch wenn nur zwei oder drei Freunde
versammelt sind, kann einer als Kontaktperson zu den Quäkern wirken. Die
Gruppe kann sich auch dem Internationalen Komitee für Mitgliedschaft des
FWCC anvertrauen. Besuche können ermutigt und Freunde, die in die Gegend
ziehen, angekündigt werden. Die zuständige FWCC-Section kann die Gruppe
mit anderen Freunden in der Gegend in Verbindung bringen. Teilnahme an
Ereignissen der Sektion kann die Kontakte intensivieren.
Es ist nützlich, wenn ein Mitglied der Gruppe die Verantwortung dafür
übernimmt, dass immer alle benachrichtigt werden und die Ankündigungen
auf dem neusten Stand sind. Es ist gut, wenn diese Aufgabe rotiert oder
aufgeteilt wird. Besonders, wenn eine Gruppe noch keine
Geschäftsversammlungen abhält und keine Protokolle schreibt, ermöglicht
das Führen eines Buches, die Entwicklung der Gruppe zu verfolgen. Die
Kosten für Miete, Postgebühren, Ankündigungen und andere Ausgaben
sollten festgehalten und entsprechend den Möglichkeiten der Mitglieder
fair aufgeteilt werden.
Wenn die Gruppe findet, sie sei bereit, kann sie regelmässige
Geschäftsversammlungen abhalten, z.B. alle zwei bis drei Monate. Eine
Person kann als Clerk dafür sorgen, dass die Geschäfte nach der Weise
der Quäker geführt werden. Die Geschäftsversammlung kann dazu dienen,
Gespräche über mögliche Probleme, Wachstum der Gruppe, Kinderprogramm,
Finanzen, soziale Anliegen etc. zu führen. Alle regelmässigen Besucher
der Andacht, ob Freunde oder Freunde der Freunde, sollten ermutigt
werden, an den Geschäftsversammlungen teilzunehmen. Alle können
mitwirken und zur Einigkeit beitragen. Erfahrene Freunde können mit
Vorschlägen dafür sorgen, dass die Geschäfte im Sinne der Andacht
beraten werden.
Wenn einmal die Gruppe beginnt, sich zu entwickeln und Kontinuität und
Kraft erwirbt, kann sie den Antrag stellen, zum Internationalen Komitee
für Mitgliedschaft des FWCC zu gehören. Dies wird der Gruppe helfen,
einen engeren Kontakt mit der Weltfamilie der Freunde zu pflegen. Die
Gruppe verfügt dann auch über Ansprechpartner, an die sie sich wenden
kann, wenn sie organisatorische oder spirituelle Fragen erörtern, oder
wenn sie Anliegen mit einer grösseren Organisation von Freunden teilen
möchte.
Wenn die Gruppe und das Internationale Komitee für Mitgliedschaft
schliesslich darin übereinstimmen, dass die Zeit gekommen ist, kann die
Gruppe den Status einer Monatsversammlung beantragen. Sie trägt dann die
Verantwortung für ihre eigenen Angelegenheiten betreffend
Mitgliedschaft. Eine blühende Monatsversammlung kann den Kern für eine
zukünftige Jahresversammlung bilden.
Befindet sich eine florierende Monats- oder Jahresversammlung innerhalb
einer angemessenen Distanz (auch wenn sie in einem anderen Lande ist),
kann die Gruppe den Anschluss mit ihr suchen und eventuell später die
Anerkennung als eine ihrer Versammlungen beantragen. Sogar wenn die
Gruppe sich zu einer direkten Kommunikation mit dem Internationalen
Komitee für Mitgliedschaft des FWCC entschlossen hat, kann sie
zusätzlich mit der zuständigen Sektion des FWCC den Kontakt etablieren
und manchmal auch Verbindungen mit der Jahresversammlung aufnehmen, zu
der sie schliesslich stossen möchte.
|