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Die Geschichte der Quäker

Das Quäkerhaus in Bad Pyrmont
| Der Ursprung in England |
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Die Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker)
entstand im 17. Jahrhundert in England, in einer Zeit schwerer religiöser
Auseinandersetzungen und Verfolgungen.
Der Begründer des Quäkertums, George
Fox (1624-1691), war ein Mann aus dem Handwerkerstand, von ungewöhnlicher
geistiger Lebendigkeit und einer heiligen Beredsamkeit, die die
Herzen der Menschen entflammte, ein Mystiker, der die Stimme Gottes
als geistige Erfahrung in sich erlebte. Nach langem, leidenschaftlichen
Suchen kam er durch eine unmittelbare innere Offenbarung zu der
Gewißheit, daß allein Jesus Christus der Urquell aller
Wahrheit sei. Der Intoleranz aller herrschenden Kirchen und Religionsgemeinschaften
stellte er die Forderung nach Duldsamkeit und Bruderliebe entgegen.
1647 begann er zu predigen, und die Bewegung ergriff eine Schar
von tief religiösen Menschen, Männern und Frauen, die
ernste "Sucher" waren. Schon
1660 hatte die Bewegung annähernd 40.000 Anhänger. Die
ersten Freunde nannten sich "Verkünder
der Wahrheit" oder "Kinder des
Lichts". Der Name "Quäker",
d.h. Zitterer, bezog sich auf das Zittern und Beben, das in ihren
Versammlungen oft ein äußeres Zeichen ihrer inneren Ergriffenheit
war.
George Fox und seine Anhänger wollten den
Geist der ersten Christen wieder lebendig machen, ihre innige Gottverbundenheit
und ihren "Wandel im Licht".
Eine die ganze Welt umfassende, vom göttlichen Geist erfüllte
Bruderschaft war ihr Ziel.
Die schweren Verfolgungen der Anfangszeiten des
Quäkertums führten den jungen Aristokraten William Penn
(1644-1718) zur Gründung eines Quäkerstaates in Amerika,
der nach ihm Pennsylvanien genannt wurde und in den in der Folgezeit
viele Quäker und andere Verfolgte einwanderten. Unter den markantesten
Gestalten der ersten Quäkerzeit ist William Penn derjenige,
welcher die ethischen Gedanken von der geschwisterlichen Zusammengehörigkeit
aller Menschen und von der Unsittlichkeit aller Gewalt in der großen
Politik und in der Wirtschaft vorzuleben versuchte. Mit den Bewohnern
Pennsylvaniens, den Indianern, schloß er einen Freundschaftsvertrag,
von dem Voltaire gesagt hat, daß er der einzige Vertrag in
der Geschichte sei, der nie beschworen und doch nie gebrochen wurde.
Die Hauptstadt Pennsylvaniens nannte er Philadelphia, d.h. "Stadt
der Bruderliebe". Als Quäkerstaat bestand Pennsylvanien
70 Jahre und wurde dann einbezogen in die Nordamerikanische Union.
In seinem "heiligen Versuch"
schuf William Penn in der Verfassung Pennsylvaniens ein Vorbild
für alle späteren freien, demokratischen Staatsverfassungen.
Aus der letzten Zeit seines Lebens, die er in England verbrachte,
stammt sein Entwurf für einen Völkerbund Europas (im Jahre
1718 ein wahrhaft zukunftsweisender Gedanke!), den er den Versuch
nannte, den Frieden Europas für Gegenwart und Zukunft zu schützen.
| Quäker in Deutschland |
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Die schon zur Zeit von George Fox auf dem europäischen
Festland, auch in Deutschland, entstandenen Quäkergemeinden
fielen bald den religiösen Verfolgungen zum Opfer. Auch die
in Minden und Pyrmont Ende des 18. Jahrhunderts gegründeten
Gruppen lösten sich wieder auf, vor allem, weil die Mitglieder
unter dem Druck der allgemeinen Wehrpflicht entweder auswanderten
oder ihre Mitgliedschaft in der Religiösen Gesellschaft der
Freunde aufgaben.
Das jetzige deutsche Quäkertum ist, unabhängig
von den ersten Quäkergemeinden, erst nach dem Ersten Weltkrieg
entstanden. Religiös suchende Menschen in Deutschland gingen
der Frage nach, was die englischen und amerikanischen Quäker
dazu veranlaßt haben könnte, in einem Land, mit dem ihr
eigenes Volk eben noch im Krieg gestanden hatte, ein solches Liebeswerk,
wie die Quäkerspeisung es war, zu tun. So erfuhren sie von
der religiösen Botschaft des Quäkertums. Die in Deutschland
neu entstandenen Quäkergruppen schlossen sich im Jahre 1925
zu einer selbständigen "Deutschen Jahresversammlung" zusammen,
die mit den Jahresversammlungen anderer Länder in
der ganzen Welt freundschaftlich verbunden ist.
Während der Ost-West-Spannungen nach 1945
bildeten sich aus der gemeinsamen Religiösen Gesellschaft der
Freunde heraus in den beiden deutschen Staaten zwei selbständige
Jahresversammlungen, die engen Kontakt zueinander hielten.
Als Folge der Wiedervereinigung haben sich beide
wieder zur Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker),
Deutsche Jahresversammlung, zusammengeschlossen.
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