Epistel
der Deutsche Jahresversammlung 2005
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An die Freundinnen und Freundein
der aller Welt
Zu unserer 74. Jahresversammlung trafen sich vom 3. bis 6. November 2005 in Bad Pyrmont im Quäkerhaus 153 Freundinnen, Freunde und Freunde der Freunde, und 57 Kinder und Jugendliche, 12 Delegierte aus anderen Jahresversammlungen und ausländische Gäste.
„Geschichten aus meinem spirituellen Leben"
war in diesem Jahr unser Thema.
Am Anfang stand ein Gespräch aus der Stille angeregt durch eine kleine chassidische Geschichte über die Suche nach dem verborgenen Schatz, die uns einführte in die Schatzsuche in unseren eigenen Geschichten. Einen ersten Schatz entdeckten wir bei der Lesung der Episteln: So schreiben die Jungfreunde von ihrem Welttreffen in Lancaster:
„Wir lernten, dass die große Anwesenheit in unserem Leben viele Namen haben kann: Jesus, Christus, Gott, Inneres Licht, Geist, Liebe und viele mehr. Letztendlich bemühten wir uns, durch das Hören auf den Geist, der uns bewegte und nicht durch die Worte, mit denen wir unser Bewegtsein ausdrücken, ein einziger Organismus zu werden…."
Eva Pinthus von der Britischen Jahresversammlung lenkte in ihrer Cary-Vorlesung mit dem Titel „Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten" unsere Gedanken auf die unterschiedlichen Ausdrucksformen in der religiösen Sprache und darauf, wie wesentlich Geschichten- Stories- eines spirituellen Lebens für unsere religiöse Gemeinschaft sind. Laufen wir nicht Gefahr, die Gemeinschaft zu vernachlässigen., wenn wir der Individualisierung zu viel Raum geben und
dabei unsere christlichen Wurzeln vergessen? Unsere spirituellen Wurzeln sind die Geschichten in der Bibel. „Wenn man die Wurzeln abschneidet, stirbt die Pflanze…" Nachdem wir uns nur mit Mühe verständigen können, wie uns die Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt, schon gar über die Dinge, die über uns hinausweisen, müssen wir lernen,
„Stories" zu erzählen und zu hören, die uns mit ihren Symbolen und Metaphern helfen, die Wahrheit über uns selbst zu erfahren. „Stories sind Offenbarungen der Wahrheit über dich selbst, die sich in dein Herz hineinzwängen und die Schranke zum Göttlichen überwinden."(Cary-Vorlesung)
In Gruppengesprächen und Malen in der Stille wurde das Thema der Cary -Vorlesung vertieft. Auch bei den Freunden, die sich mit der Arbeitslosigkeit und mit unserer Hilfstätigkeit beschäftigten, stand die Frage nach der dahinter stehenden Glaubenshaltung im Mittelpunkt.
In einer anderen Arbeitsgruppe wurde die 80 jährige Geschichte des Quäkerbüros in Berlin erzählt. Dort begann nach dem 1. Weltkrieg die Versöhnungs- und Hilfsarbeit der britischen und amerikanischen Quäker. Die immer wieder gestellte Frage, „Warum tut ihr das?", beantworteten sie mit Einladungen in ihre Andachten. Daraus entstand dann auch 1925 in Eisenach die Deutsche Jahresversammlung.
Die Kinder und Junioren beschäftigten sich in ihrem Thema „Jung und Alt"- Generationen im Konflikt? damit, wie das Miteinander von Jung und Alt lebendig sein kann.
Die Jungfreunde berichteten uns von ihrem Treffen folgendes: „Wir haben uns gefreut, dass dieses Jahr so viele Jungfreunde da waren. Es kam die Frage auf, wie wir uns die Gruppe vorstellen und mit welchen Erwartungen wir als
Jungfreunde in diese Treffen hineingehen. Das hat einen tiefen Identifikations- und Reflektionsprozess für uns als Gruppe und jeden einzelnen als Individuum ausgelöst. Gleichzeitig gibt es in vielen von uns die Hoffnung, wieder als Gruppe zusammen zu wachsen. Wir hoffen, bei unserem nächsten Treffen diesen in Gang gesetzten Prozess
produktiv weiter zu führen."
Wir grüßen die Freundinnen und Freunde in aller Welt mit den Schlussworten von Eva Pinthus:"…seid treu und diszipliniert, lasst euer Leben sprechen…zu Gottes Ehre und dem Wohlergehen der Welt. Schüttet die Kinder nicht mit dem Bade aus, sondern habt Freude, mit ihnen zu baden."
Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker)
Deutsche Jahresversammlung e.V.
Bombergallee 9, D-31812 Bad Pyrmont
Bad Pyrmont, den 6. November 2005
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